Text: Klaus Esser Fotos Klaus Esser und Gerald Mahn
![]() Kliffabschnitt bei Kulsti Rende |
![]() Die Grube Faxe vor dem Unwetter |
Im Frühjahr 2009 habe ich mit Manfred Liebig schon eine kurze, aber erfolgreiche Exkursion an die Klippen von Stevns Klint unternommen und dabei leider einige Küstenabschnitte aus Zeitmangel nicht besuchen können.
Gerald Mahn hatte vor, im September an der Küste von Stevns Urlaub zu machen und mietete sich ein Ferienhaus in Rodvig. Da Gerald zum ersten Mal dort war und die Begebenheiten noch nicht kannte, bot sich mir die Gelegenheit ihn für eine Woche zu besuchen, um die Fundstellen und die fossilträchtigsten Schichten des Maastrichtiums und Daniums von Stevns und Faxe zu zeigen. Gleichzeitig konnte ich Kliffabschnitte besuchen, die ich im Frühjahr zeitbedingt nicht mehr geschafft hatte.
Nach meiner Ankunft im Ferienhaus fuhren wir am Nachmittag in den alten aufgelassenen Steinbruch von Holtug. Ich hatte keine große Erwartung auf gute Funde, da dieser Aufschluss sehr bekannt ist und Sammler das ganze Jahr über dort nach Fossilien suchen. Aber mit Fleiß und Ausdauer fanden wir in den relevanten Schichten unterhalb der Kreide-Tertiär-Grenze gleich etliche Galeriten, Keulenstacheln von Tylocidaris baltica, verschiedene Brachiopodenarten, und Muscheln. Als Höhepunkt fand Gerald einen großen Brocken, wo eine Phymosoma und zwei Cidariden von außen zu sehen waren. Nach der Präparation stellte sich leider heraus, dass bei der Phymosoma nur ¾ der Corona erhalten war und bei den Cidariden leider nur Segmentteile. Auch ich fand an dem gleichen Hang ein Cidaridensegment. Diese Funde waren für einen halben Tag Suche ein tolles Ergebnis.
![]() Tylocidaris baltica, Breite Handstück 9,2 cm |
![]() Phymosoma princeps mit einigen Stacheln, Ø 50 mm |
![]() Schwamm |
Auch der nächste Tag sollte erfolgreich werden. Wir fuhren in den Norden, zu dem hohen Kliff von Kulsti Rende. Dort bargen Gerald und ich jeweils einen Haizahn von Hexanchus microdon, Seesternzusammenspülungen, Cidaridenreste mit Stacheln, Serpeln, Kugelschwämme der Gattung Porosphaera globularis, Seelilienstängel von Nielsenicrinus agassizi, kleinere Haizähne von Anomotodon sp., Terebrateln und einen Belemniten Belemnella casimirovensis und verschiedenste Muschelarten. Der Wasserstand der Ostsee war trotz Windstille und spiegelglatter See so hoch, dass wir in der Mitte des Kliffs umkehren mussten, da das Wasser bis zur Klippenwand stand.
![]() Zahn von Hexanchus microdon, L 14 mm |
![]() Metopaster tumidus L 75 mm |
![]() Haizahn der Gattung Pseudocorax L 18 mm |
Am dritten Tag suchten wir an den Klippen bei Højerup nach Fossilien, zuerst nördlich der Kirche, wo ich gleich in einem am Strand liegenden Kreidebrocken den unteren Teil eines Haizahns entdeckte und herausschlug. Leider stellte sich nach der Präparation zu Hause heraus, dass die Spitze abgebrochen war. Da der Zahn an der Spitze voll im Sediment steckte, ist davon auszugehen, dass der noch lebende Hai bei einem harten Biss den Zahn abgebrochen hat. Ansonsten war die Ausbeute außer den Galeriten und einigen Kleinfossilien nicht zufriedenstellend. Richtung Süden kamen wir durch den hohen Wasserstand auch nicht sehr weit, da auch hier das Wasser bis ans Kliff stand und der Untergrund schräg und glitschig war. Wir kehrten lieber um und fuhren nördlich von Rødvig nach Boesdal, einem weiteren alten Steinbruch, wo noch die alten Kalkbrennöfen am Rand der Grube stehen. Von dort gingen wir dann Richtung Rødvig, um einen ausstreichenden Rest des Maastrichtiums aufzusuchen, den Gerald einige Tage vorher entdeckt hatte. In den anderen Wänden ist nur das Danium aufgeschlossen. Auch hier waren die Funde nur mäßig.
![]() Prionicidaris bolli, Ø 62,5 mm |
![]() Rückseite vom selben Prionicidaris bolli mit Stacheln |
![]() Salenia scutigera , Ø 12 mm |
Zur Abwechslung besuchten wir am nächsten Tag die riesige Grube von Faxe. Da das Faxe-Museum erst nachmittags geöffnet hat, gingen wir lieber in die Grube und suchten die Stellen mit den Korallenkalken auf. Hier bargen wir auch bald die bekannten Krebschen Dromiopsis rugosa und einige Exemplare von Dromiopsis elegans. Einige kleine Schnecken der Gattung Pleurotomaria, Scaphella und Campanile fanden wir zwischen zwischen den Korallenstöcken von Dendrophyllia candelabrum, außerdem Muscheln und Koronensegmente von Temnocidaris danica.
Ich hatte das Glück, ein kleines, aber vollständiges Exemplar von einer Gauthieria sp. mit ca. 1 cm Durchmesser zwischen den Korallen zu entdecken. Im Bryozoenkalk sammelten wir noch einige kleine Haizähne und Stacheln von Tylocidaris oedumi.
Donnerstag starteten wir dann von Holtug aus Richtung Süden bis nach Mandehoved, wo Gerald eine große Einzelkoralle Coelosmilia excavata bergen konnte. Auch Echinocorys ovata und wieder einige schöne Exemplare von Galerites sulcatoradiatus, Tylocidarisstacheln, Brachiopoden und Serpeln fanden wir in den Wänden. Mein bester Fund an dem Tag war ein regulärer Seeigel der Gattung Gauthieria radiata.
![]() Gauthieria radiata, Ø 19 mm |
![]() Wurm Neovermilia ampullacea, L 21,3 mm |
![]() Temnocidaris danica |
Am Nachmittag fuhren wir noch zum Kridtbrud von Sigerslev, um eine Grubengenehmigung zu bekommen. Die wurde uns leider verwehrt mit dem Argument, dass im Bruch nicht gearbeitet würde und deshalb keine Aufsicht da sei. Deshalb gingen wir von dort zum nahen Kliff Richtung Mandehoved, wo sich oberhalb auch das Naturcenter befindet. Dort fand ich gleich am Anfang eine Zusammenspülung von Phymosoma-Stacheln. Weiter Richtung Norden entdeckte ich wieder eine kleine Gauthieria radiata und Gerald auch Segmente von regulären Seeigeln. Natürlich fanden wir auch hier reichlich unsere übliche Fauna.
Am Sonnabend verließ ich dann Gerald in Richtung Heimat, während Gerald noch eineinhalb Wochen lang intensiv die besten Küstenabschnitte absuchte und noch etliche gute Funde machte.
Er hatte auch die Zeit, sich das neue Faxe-Museum anzusehen (siehe Bericht). Er war sehr davon begeistert. Auch die Grube besuchte er noch zweimal mit gutem Erfolg.Fazit der Exkursion: Auch im Herbst bietet das lange Kliff von Stevens Klint noch gute Fundmöglichkeiten, wobei einige Tage mehr vor Ort intensiveres Suchen ermöglichen.