Text und Fotos: Birgit Wiedenmann-Naujoks, Malte Wiedenmann
Uddevalla ist ein kleines, schnuckeliges Hafenstädtchen in Bohuslän, Schweden. In einem Urlaub entdeckten wir auf unserer Landkarte dort eine "Kulturbrezel" mit dem Zusatz "Skalbank", zu deutsch also "Schalenbank". Da wir in Schweden an vermeintlich unbedeutenden Stellen schon häufiger kulturelle Kleinode entdeckten, folgten wir dem Hinweisschild, ohne dass wir uns unter dem Begriff so recht etwas vorstellen konnten.
Am Zielort angekommen, erwarteten uns ein kleiner Parkplatz und ein eingezäuntes Areal mit dem "Naturreservat"-Zeichen. Dahinter hügelige Landschaft mit Kalkflora, keine Menschen - was gab es hier bloß zu sehen? Ein Schild gab dann Auskunft:
Vor ca. 10.000 Jahren hat die durch das abschmelzende Wasser der letzten Eiszeit entstandenen Strömung an dieser Stelle alles, was hochgewirbelt worden war, abgelagert. In erster Linie waren das die Schalen von Muscheln (Hiatella arctica), Schnecken (Trophon truncatus) und Seepocken (Balanus balanus, Chirona hammeri). Es sind aber auch Wirbel von Walen, Dorschen etc. gefunden worden. Voller Erwartung betraten wir das Areal. Ein Blick in die Runde ließ auf nichts Außergewöhnliches schließen - aber ein Blick unmittelbar vor die eigenen Füße ließ uns dann doch staunen: Das, was wir bis dahin als '"Erde" angesehen hatten, waren ausschließlich (!) fossile Schalen!!! Wir hoben einige auf, um sie näher zu betrachten, die Seepocken waren meist in ihre einzelnen Schalenteile zerfallen, aber mit etwas Geschick und Fantasie hätte man sie vor Ort wieder zusammensetzen können. Einige Schalen weisen kreisrunde, recht große Löcher auf - Spuren ehemaliger Fressfeinde, wie z.B. Bohrmuscheln.
Ab ca. 1700 begann man, diese aus heutiger Sammlersicht einmalige Stelle schamlos auszubeuten - mit großen Schaufeln wurden die Bänke einfach abgetragen, um daraus den damals für Düngezwecke so begehrten Kalk zu brennen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Areal unter Schutz gestellt, obwohl bereits Carl von Linné diese Stelle als "einmalig" bezeichnet hatte. Bis heute ist die Schalenbank in Uddevalla, obwohl sie nur noch rund 10% ihrer ursprünglichen Größe hat, die größte der Welt!
Das einzige Manko war, dass wir von hier keine Schale mit nach Hause nehmen durften, weil es streng verboten ist. So haben wir uns mit ein paar Erinnerungsfotos begnügt, sind aber sicher, diesen Ort wieder zu besuchen, sollten wir an der schwedischen Westküste unterwegs sein. Vielleicht hat dann auch das kleine Museum vor Ort geöffnet.
![]() Der Untergrund besteht nur aus Fosiilien... |
![]() ...die hier vor 10.000 Jahren abgelegt wurden |
![]() Muscheln und Seepockenteile... |
![]() ...oft mit Spuren ehemaliger Freßfeinde |
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Mehr Informationen (auf schwedisch) unter: